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Für Boxer wertvolle Partnerschaft mit Iren soll wachsen

Erstellt von Peter Jaschke |

Wittenhofen/Schriesheim. Irland hat wegen der Coronaepidemie am 28. Februar abgesagt. Es treten Tschechien und Schweiz zum Vergleich an. Am Freitag, 6. März, findet der Erststart auf deutschem Boden um 20 Uhr in Deggenhausertal-Wittenhofen (Bodenseekreis) statt. Es folgt der Zweitstart bei der 45. Boxmatinee im Schriesheimer Mathaisemarkt-Festzelt am Sonntag, 8. März, um 10.30 Uhr.

Im Hintergrund des ursprünglich geplanten Vergleiches mit Irland steht eine erst 2019 auch offiziell besiegelte Partnerschaft zwischen dem Boxverband Baden-Württemberg (BVBW) und dem nordirischen Regionalverband um John Conlan.

„Geboren wurde das Ganze während der olympischen Spiele 2016“, erzählt Vlcek, wie es zu der überaus wertvollen Sportkooperation kam. Als damaliger Leiter des Leistungszentrums der Boxer im Olympiastützpunkt (OSP) Rhein-Neckar in Heidelberg hatte er in Rio de Janeiro häufig Kontakt mit Conlan.

Zur Erinnerung: Conlans Sohn Michael, der Olympiadritte von 2012 und heutige Profiboxer, war 2016 weltweit berühmt geworden durch seinen wütenden Protest im Ring gegen ein fragwürdiges Urteil des Kampfgerichts der Sommerspiele von Rio de Janeiro.

Die Vorgänge, in deren Folge der irische Vorzeigeboxer kurz darauf ins Profilager wechselte, hat auch Conlans Coach-Kollegen Vlcek betroffen gemacht. „Wir haben in Rio oft miteinander gesprochen und uns seitdem immer mehr kennen- und schätzen gelernt“, so Vlcek.

„Conlan Senior ist aber nicht nur einer der Nationaltrainer Irlands, sondern genauso auf Landesverbandsebene tätig wie ich“, sagt Vlcek. Von seinem Wohnort und Boxstützpunkt Belfast aus betreue Conlan den Nachwuchs der Boxregion.

So kam die Idee auf, im Nachwuchsbereich bis zur Altersklasse der unter 22-Jährigen (U22) etwas zusammen auf die Beine zu stellen. Bereits im Jahr nach den jüngsten Sommerspielen, also 2017, entsendeten die Iren eine Auswahl zum Black Forest Cup nach Villingen-Schwenningen, wo Vlceks Verein jedes Jahr eines der größten Nachwuchsboxturniere Europas veranstaltet.

„Die Iren haben auf Anhieb die meisten Goldmedaillen geholt und sich von unserem Event begeistert gezeigt“, erinnert sich Vlcek. Von an nahm die Zusammenarbeit an Fahrt auf. Es folgte ein gemeinsames Trainingslager. „Es ist dann in den darauffolgenden Jahren immer ein bisschen enger geworden“, freut sich Vlcek.

Im vergangenen Jahr flog Vlcek zu einem dreitägigen Meeting nach Belfast. „Wir haben nach unsere gemeinsamen Nenner gesucht und eine gemeinsame Kooperation im Wettkampfbereich sowie in der Athleten- und Trainerausbildung beschlossen“, so Vlcek. Aus der anfangs losen Zusammenarbeit war eine feste Partnerschaft geboren. Vlceks Bilanz klingt zufrieden: „Das klappt sehr gut, und es findet ein reger und regelmäßiger Austausch statt.“

Vlcek weiß: „Bei den Iren ist Boxen Volkssport Nummer eins.“ Obwohl die Bevölkerung zahlenmäßig kleiner sei als in Deutschland und anderswo, gebe es eine wesentlich höhere Dichte an Boxsportlern auf der grünen Insel. Allein in der nordirischen Stadt Belfast existierten weit mehr als 100 Box-Clubs.

„Dort siehst du ganze Straßenzüge mit einem Verein neben dem nächsten“, schwärmt Vlcek. So sei allein bei Stadtmeisterschaften die Konkurrenz schon groß, geschweige denn bei nationalen Championaten. „Das Boxen ist tief verwurzelt in der irischen Kultur“, erklärt BVBW-Sportdirektor Vlcek. Davon sollen Baden-Württembergs Boxer nun in Wittenhofen (Bodenseekreis) und Schriesheim profitieren.

„Wir waren bei den bisherigen Ländervergleichen zwar meistens unterlegen“, räumt  Sportdirektor Vlcek ein. „Wir gehen dem deshalb aber nicht aus dem Weg, sondern wollen an den Herausforderungen weiter wachsen und daran arbeiten, dass der Tag kommt, an dem wir öfter gewinnen“, so Vlcek. Für diesmal sieht er die Nordiren aber noch als „leicht favorisiert“ an.

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Die „Väter“ der Boxpartnerschaft zwischen der Boxregion Nordirland und Baden-Württemberg: John Conlan (l.) und Oliver Vlcek (r.) 2019 in Belfast vor dem Mauergemälde von Conlans Sohn Michael mit Olympiabronze von 2012. Foto: Privat/Vlcek
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